Schrazelloch in Arnschwang

Als Schrazelloch oder Erdstall werden von Menschen geschaffene, kammerartige Höhlen bezeichnet. Im Bayerischen Wald gibt es vor allem in der Region um Cham eine Vielzahl dieser Schrazellöcher, so z.B. in Rabmühle bei Stamsried. Im Ort Arnschwang gibt es sogar zahlrreiche dieser Schrazellöcher, der gesamte Ort ist quasi unterhöhlt. Die Schrazellöcher im Bayerischen Wald wurde vermutlich gegen Ende des ersten Jahrtausends nach Christus geschaffen. Die genauen Umstände, weshalb diese Erdlöcher in den Fels getrieben wurden, sind bis heute nicht endgültig geklärt. Ein Forschungsansatz glaubt, dass die Schrazellöcher des Bayerischen Waldes als Graber und Kultstätten angelegt wurden. Ein anderer Ansatz verfolgt die Theorie, dass die Erdställe als Zufluchtsstätte beim Einfall von Feinden genutzt wurde.

Für die Theorie, dass die Schrazellöcher als Versteck dienten, spricht die Aufteilung vieler dieser Höhlen: Ein etwas größerer Raum mit einer Höhe von bis zu 160 cm wird flankiert von mehreren kleineren Seitenräumen. Der größere Raum könnte als Aufenthaltsort gedient haben, während in den kleineren Räumen Lebensmittel gelagert werden konnten. Zudem sind viele der entdeckten Höhlen mit kleineren Verbindungsgängen (oft nur 50 cm hoch) verbunden.

Gegen die Zufluchtsort-Theorie spricht allerdings, dass die Schrazellöcher aufgrund ihrer Enge für einen längeren Aufenthalt und auch für ältere Personen nicht geeignet sein dürften. Viele Wissenschaftler sowie Menschen aus der Region gehen deshalb davon aus, dass die Schrazellöcher im Bayerischen Wald tatsächlich schon zu vorgeschichtlicher Zeit als Grab- und Kultstätten angelegt wurden, und in späteren Zeiten als Versteck und Vorratsraum ausgebaut und weitergenutzt wurden.

Neben diesen beiden „seriösen“ Theorien, ranken sich – wie man bereits aus dem Namen ableiten kann – natürlich auch eine ganze Menge Sagen um die Schrazellöcher. Ein „Schraz“ ist der altbayerische Ausdruck für Zwerg, Kobold oder Wichtelmännchen. So behauptet der Volksmund, dass in den Bodenlöchern meist wohlgesinnte Wichtelmännchen hausen, mit langen, lockigen Haaren, faltigem Gesicht, breiter Nase und lebhaften Augen. Die Bewohner eines Hauses mit Wichtelmännchen im „Tiefgeschoss“ müssten nur den Zugang zum Schrazelloch freihalten und dessen Bewohner regelmäßig mit Essensresten füttern, um deren Wohlwollen und Unterstützung zu erlangen. Freundlich gestimmte Schrazen würden dann wertvolle Arbeiten wie Obst ernten, stricken oder Wäsche waschen verrichten.

Schrazellöcher bzw. Erdställe gibt es übrigens nicht nur im Bayerischen Wald, vielmehr sind diese Kammern in ganz Europa verbreitet, so z.B. in Ungarn, Österreich und im Elsass. Die Bezeichnung „Erdstall“ rührt dabei übrigens nicht vom „Viehstall“, sondern stammt vom Wort „Erdstollen“ ab.