Wasservogelsingen im Bayerischen Wald

Das sogenannte Wasservogelsingen hat nichts mit den im Bayerischen Wald zahlreich vertretenen Arten von Wasservögeln zu tun. Tatsächlich handelt es sich um einen uralten Brauch aus vorchristlichen Zeiten, der hier, das Video zeigt ein Wasservogelsingen in Freyung, bis heute überdauert hat. Neben der deutschlandweit verbreiteten Fastnacht ist es der vielleicht älteste heidnische Brauch, der in unseren Breiten nahezu unverfälscht begangen wird.

Das Wasservogelsingen wird auch „Pfingstvogelsingen“ genannt. Es startet am Pfingstsonntag. Hintergrund ist ein uralter Fruchtbarkeitszauber, der einen regenarmen Sommer und damit eine Missernte verhindern soll. Zudem handelt es sich um eine symbolhafte Darstellung des ewigen Kampfes in der Natur zwischen Winter und Sommer; in der Vorstellung früher Menschen des Kampfes zwischen dem Leben und dem Tod.

Die „Burschen“, also die noch unverheirateten jungen Männer eines Dorfes, ziehen in regengeschützter Kleidung von Hof zu Hof oder von Haus zu Haus. Dabei singen sie Lobeshymnen auf die Bewohner des Hauses und wünschen ihnen ein segensreiches Jahr mit guter Ernte und womöglich Kindersegen. Die Hausbewohner übergießen sie von oben herab daraufhin mit Wasser, da Wasser seit uralten Zeiten als Lebensspender bekannt ist; das Ritual findet sich in Taufzeremonien rund um den Erdball wieder. Als Dank für den Segen erhalten die klatschnassen Sänger Gaben in Form von Speisen vom Hausbesitzer.

Wenn die gesamte Dorfgemeinde ihr Ständchen erhalten hat, ziehen die Wasservogelsänger in das örtliche Wirtshaus, trocknen ihre Kleider und die gespendeten Lebensmittel werden sofort zubereitet und verzehrt, was heute eine wunderbar urtümliche Festivität und einen der Höhepunkte eines Aufenthalts im Bayerischen Wald darstellt.